Wenn Pferde erwachsen werden: Wann junge Pferde wirklich belastbar sind
Im April vor zwei Jahren kam Klein-Catjipunda zu uns auf den Hof, eine entzückende kleine Stute und die Halbschwester meines 5-jährigen Wallachs Doncor.
Und wie schnell die Zeit vergeht – kommenden April wird sie, liebevoll Caati genannt, drei. Bis jetzt dürfte sie ihre Kinderstube in der Herde genießen. Natürlich gab’s auch eine Fohlenerziehung – mit Führen, Am-Putzplatz-Stehen oder auch Hufe-Geben.
Wann gilt ein Pferd als erwachsen? – Entwicklung und Belastbarkeit junger Pferde
Doch schon langsam wird es Zeit, noch ein bisschen mehr zu lernen – sehr wohl mit der Gewissheit, sie nicht zu überfordern. Denn jeder, der sich mit Pferdegesundheit beschäftigt, weiß, dass es sich bei einem dreijährigen Pferd quasi um einen Teenager handelt. Wenn man ein bisschen nachforscht im Internet, wird ein 3-jähriges Pferd mit einem ca. 13–15 Jahre altem Kind verglichen.
Wachstumsfugen, Wirbelsäule & Gesundheit: Was junge Pferde wirklich brauchen
Oft wird mir erzählt, dass zwei- bis dreijährige Pferde schon Schritt, Trab und Galopp unter dem Sattel gehen – ganz ehrlich, damit braucht keiner prahlen, denn das ist mehr als unverantwortlich!!! Auch wenn diese junge Pferde schon fertig aussehen, ist sowohl der „Kopf“ als auch der Körper im Um- und Aufbau.
Die allerletzten Wachstumsfugen befinden sich an den Wirbelkörpern, und diese schließen sich ca mit 5,5 bis 6 Jahren.
Das bedeutet, dass ein Pferd erst mit ca 6 Jahren voll belastbar ist. Das heißt aber nicht, dass man sie nicht schon früher altersentsprechend gymnastizieren kann. Und neben dem Gymnastizieren gibt es noch ganz viele Dinge, die man sich erarbeiten kann, wie zum Beispiel – ganz wichtig! – die gemeinsame Sprache.
Altersgerechtes Training statt Überforderung: Gymnastizierung junger Pferde
Mit der gemeinsamen Sprache verstehe ich HO und GO mit einfachen Führübungen. Damit meine ich, man bringt dem jungen Pferd bei, mit einem mitzugehen und auch wieder stehen zu bleiben. Oder auch die Vorhand und die Hinterhand zu kontrollieren.
Hinterhandkontrolle heißt, dass man quasi die Hinterhand verschieben kann: Dabei kreuzt das Pferd die Hinterbeine – und auch das ist schon eine Art der Gymnastizierung, denn da lernt das Pferd schon, seine Bauchmuskulatur anzuspannen. Ich lerne zum Beispiel jungen Pferden – mit dem Übertreten der Hinterbeine und wieder geradeaus weiterzugehen, dann wieder über zu treten und wieder geradeaus – ein sogenanntes 8-12 Eck – die Längsbiegung. Damit beginne ich im Schritt, und dann erst wird getrabt.
Oder auch die Vorhandkontrolle, die wichtig ist, um ein Pferd geradezurichten, denn wie leicht ist es dann, einfach die Vorhand auf die Hinterhand einzustellen.
Ich kann mich erinnern, wie mühsam und schwierig es für mich war, bevor ich die gemeinsame Sprache kannte, ein Kurzkehrt zu reiten – mit dem Erlernen der Vorhandkontrolle gelingt dieses Spielerisch.
Also – ihr seht, das Erlernen der gemeinsamen Sprache beinhaltet schon so viel Gymnastik für ein junges Pferd und bereitet sowohl seinen Kopf als auch seinen Körper vor auf die weitere sportliche Entwicklung vor, sodass es in Ruhe fertig wachsen kann!
Ein weiterer Nebeneffekt der gemeinsamen Sprache ist auch, dass man mit dem Pferd als Fluchttier eine Verbindung aufbaut und so das junge Pferd schon von Anfang an lehrt, sich dabei auch entspannen zu können. Warum Entspannung wichtig ist, könnt ihr im Übrigen in meinem Blog „Kraft der Entspannung“ nachlesen!
Eure Gundula
(c) simages, Sabrina Reiter